Was ist bei uns anders?

Was ist bei uns anders?

Hühner sind in ihrem angestammten Lebensraum Waldrandbewohner. Dies ist auch in der Lebensgemeinschaft Mensch-Huhn so geblieben. Als Fluchttier ist das Huhn darauf angewiesen, sich im Fall eines Beutegreifers aus der Luft (z.B. Habicht) schnell unter Dickicht zu flüchten und verstecken zu können.

Im Falle der heutigen Hühnerhaltungen ersetzt der Stall den Wald. Aus diesem Grund entfernen sich die Hühner nie weit vom Stall und beanspruchen die Weideflächen direkt am Stall sehr stark. Da Hühner ständig starke Scharr- und Pickaktivitäten ausüben, ist die Weide direkt am Stall schnell sehr abgepickt und es wächst dort kein Gras mehr.

Diesem Problem fahren wir Mobilhalter einfach davon. Die Idee der Mobilen Geflügelhaltung ist keine Erfindung der Neuzeit, erfuhr aber um die Jahrtausendwende eine Renaissance, weil Biobetriebe unzufrieden mit dem Aussehen ihrer Hühnerweiden am Stall waren. Ein Biobetrieb entwickelte daraufhin einen professionellen Mobilstall für Hühner, mit dem man fortan einfach auf ein Stück frische Wiese umziehen konnte, wenn die alte Weide abgegrast war.

Auf diese Weise kann sich die alte Weide erholen und das Gras wieder neu aufwachsen. Die Nährstoffe, welche die Hühner ausscheiden, werden in der Auslauffläche verteilt.

Die Hühner sehen den Stall nach wie vor als ihren schützenden „Waldrand“ an und halten sich in dessen Nähe auf. Bei einem „Luftangriff“ durch einen Raubvogel flüchten die Hühner unter den Mobilstall.

Ein schattiges Plätzchen unter dem Mobilstall tut im Sommer gut
Woher kommt die Idee der Mobilhaltung?

Den mobilen Geflügelstall gab es bereits vor mehr als 80 Jahren in einfacher Form. Da die wirtschaftliche Lage zwischen den beiden Weltkriegen sehr angespannt war, mussten die Menschen sparsam mit allen Ressourcen umgehen – so auch mit Geflügelfutter. Damals kam die Idee der fahrbaren Geflügelwagen auf. Um 1930, der Blütezeit dieser Wagen, wurde das Korn auf den Getreidefeldern noch mit Mähbindern geerntet und von Hand zu Garben gebunden, die drei bis acht Tage auf den Feldern stehen blieben. Unmittelbar nachdem das Feld abgeräumt war, wurde das Geflügel – vorwiegend Junghennen in der Aufzucht – in Geflügelwagen auf die Stoppelfelder gebracht.

Mobiler Geflügelwagen um 1930

Die Tiere fraßen die während der Ernte verloren gegangenen Körner, auf diese Weise wurde Futter gespart. Auch hier wurde der Standort, angepasst ans Futterangebot, mehr oder weniger häufig gewechselt. Außerhalb der Erntezeit kamen die Wagen auch auf Grünlandflächen zum Einsatz, gezogen wurden sie zunächst mit Pferden, später dann mit Traktoren.

Wanderhütten um 1945

Es gab auch noch weitere Formen der Mobilhaltung von Geflügel, die so genannten „Wanderhütten.“ Diesen Geflügelunterkünften fehlten i.d.R. die Räder, sie waren kleiner und wurden bei Bedarf zumeist von 2 Personen per Menschenkraft weitergetragen.

Quelle: Edelgard Freiin von Gloeden (*1930 – †2012), Jutta an der Linde